Mitgliederausfahrt des VHV 2026
Zwischen Spitzenforschung, Universitätstradition und offenem Diskurs
Foto: Wiedmann Die VHV-Reisegruppe bei der Ankunft auf dem Campus im Neuenheimer Feld.
Die Mitgliederausfahrt des VHV führte in diesem Jahr an die Universität Heidelberg. Eine 17-köpfige Gruppe erhielt Einblicke in aktuelle Spitzenforschung, die Geschichte der Universität und die Frage, wie Wissenschaft und Gesellschaft miteinander im Gespräch bleiben können.
Eine 17-köpfige Gruppe des VHV machte sich am 25. September auf den Weg nach Heidelberg. Der Tag führte vom Forschungsstandort im Neuenheimer Feld über die Alte Universität bis zum neu eröffneten Haus Buhl in der Heidelberger Altstadt.
Erste Station war das Neuenheimer Feld. Nach einem Rundgang durch den neuen audiMAX und einem Überblick über den weitläufigen Campus ging es weiter zum Institute for Molecular Systems Engineering and Advanced Materials (IMSEAM). Dort stellte Prof. Dr. Peer Fischer die Arbeit des Instituts vor. Anschließend erhielt die Gruppe in den Laboren unmittelbare Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und die dafür eingesetzte technische Infrastruktur.
Wie eng diese Forschung mit der Exzellenzstrategie verbunden ist, wurde dabei schnell deutlich. Die Universität Heidelberg hat ihren Status als Exzellenzuniversität im März 2026 erneut bestätigt. Das Forschungsfeld „Engineering Molecular Systems“, aus dem das heutige IMSEAM hervorgegangen ist, wurde im Rahmen der Exzellenzstrategie aufgebaut. Auch die besuchten Arbeitsgruppen sind unmittelbar in die Exzellenzforschung eingebunden: Prof. Dr. Peer Fischer ist am Exzellenzcluster „3D Matter Made to Order“ beteiligt, Prof. Dr. Christine Selhuber-Unkel ist dessen Heidelberger Sprecherin. Der gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie getragene Cluster verbindet Natur- und Ingenieurwissenschaften und entwickelt neue Ansätze der additiven Fertigung vom molekularen bis zum makroskopischen Maßstab.
Beeindruckend war dabei nicht nur die technische Ausstattung. Die wissenschaftliche Arbeit wurde mit großer Anschaulichkeit und erkennbarer Begeisterung vermittelt – ein Eindruck, der die Gruppe durch den weiteren Tag begleitete.
Am Nachmittag ging es in die Heidelberger Altstadt. In der Alten Universität begrüßte Rektorin Prof. Dr. Frauke Melchior die VHV-Mitglieder persönlich. Neben der Geschichte der 1386 gegründeten Universität sprach sie auch über eine Frage, die weit über den Hochschulalltag hinausreicht: den Wert einer offenen Diskurs- und Diskussionskultur. Universität müsse ein Ort bleiben, an dem unterschiedliche Positionen wissenschaftsgeleitet und respektvoll miteinander diskutiert werden können. Dass dieser offene Diskursraum keineswegs selbstverständlich ist und auch unter Druck geraten kann, beschäftigt die Universität Heidelberg seit längerem.
Das Thema traf auch beim VHV auf großes Interesse. Offener und sachlicher Austausch gehört ebenso zu unseren Gesprächs- und Diskussionsformaten mit Politik, Verwaltung und anderen Funktionsträgern. Gerade in aufgeregten und schnelllebigen Zeiten ist es wichtig, unterschiedliche Positionen nicht vorschnell gegeneinander abzuschotten, sondern im Gespräch zu bleiben.
Nach dem Besuch der Alten Aula griff die nächste Station diesen Gedanken auf ganz eigene Weise auf. Das Haus Buhl verbindet Heidelberger Universitätsgeschichte mit einer neuen Aufgabe. Das barocke Palais wurde 1722 für den Hofgerichtsrat und Mathematikprofessor Friedrich Gerhard von Lünenschloß errichtet. 1889 erwarb es der Rechtswissenschaftler und Heidelberger Universitätsprofessor Heinrich Buhl, der es 1907 der Universität vermachte.
Nach umfassender Sanierung wurde das Haus im Juni 2026 wiedereröffnet. Heute beherbergt es das Heidelberg Forum Demokratie, Wissenschaft und Gesellschaft. Das Forum soll Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch bringen und Raum für Debatten über Demokratie, Wissenschaftsfreiheit und gesellschaftliche Verantwortung schaffen. Damit erhält der zuvor angesprochene Gedanke des offenen Diskurses einen ganz konkreten Ort.
Marietta Fuhrmann-Koch, Geschäftsführende Direktorin des Forums, stellte der Gruppe das Konzept und die künftigen Aufgaben vor. Dabei war unmittelbar zu spüren, mit welchem persönlichen Einsatz sie dieses noch junge Forum aufbaut. Auch die Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Architektur machte den Besuch des Hauses Buhl zu einem besonderen Programmpunkt.
Beim anschließenden Abendessen in der Kulturbrauerei blieb Zeit, die vielen Eindrücke des Tages aufzugreifen und sich untereinander auszutauschen.
Ein solches Programm wäre ohne intensive Vorbereitung nicht möglich gewesen. Unser herzlicher Dank gilt deshalb Joost Punstein und Dr. Biskup, die den Besuch in Heidelberg umfassend vorbereitet, organisiert und vor Ort begleitet haben. Ebenso herzlich danken wir unserem Vorstandsmitglied Dr. Helmut Messer, mit dem die Mitgliederausfahrt gemeinsam geplant und organisiert wurde.
Am Ende blieb nicht nur der Eindruck einer Universität mit großer Geschichte und hervorragenden Forschungsbedingungen. Vor allem die persönlichen Begegnungen und die Offenheit, mit der über Forschung, Universität und ihre gesellschaftliche Verantwortung gesprochen wurde, machten den Tag besonders. Viel Stoff also für die Gespräche auf der Rückfahrt nach Stuttgart – und darüber hinaus.











